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Die Aromatherapie sorgt für Wohlbefinden

kommt allerdings auch in der medizinischen Praxis als Arznei zum Einsatz.

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Orange, Fichtennadel, Eukalyptus, Teebaum, Lavendel – schon beim Lesen dieser Pflanzennamen strömt einem ihr angenehmer Duft geradezu in die Nase. Erinnerungen werden wach und es verbreitet sich ein Gefühl des Wohlbefindens. Keiner unserer Sinne löst so viele Emotionen aus wie das Riechen.
Denn im Gehirn sind das für Gefühle und Gedächtnis zuständige limbische System und der olfaktorische Cortex – das Riechhirn – eng miteinander verbunden. Der Mensch nutzt diese Tatsache auf unterschiedlichste Art und Weise.

So bringt es die vorherrschende Jahreszeit etwa mit sich, dass Menschen wieder vermehrt zur Aromalampe greifen, um mit ätherischen Ölen dieser Gewächse für duftende Wärme in den Stuben und wohlige Erinnerungen zu sorgen.

Doch der Einsatz von riechenden Ölen hat im Laufe der Zeit in den Alltag der Menschen immer mehr Einzug genommen – auch unterjährig und nicht nur in den Haushalten. Die Aromatherapie hat sich die Extrakte aus der Natur nämlich zunutze gemacht, um auch Erkrankungen positiv zu beeinflussen.

Besänftigung der Götter

Seit Jahrhunderten gelten Düfte als Wohltat für Körper, Geist und Seele. Schon im alten Ägypten spielten Öle eine große Rolle bei religiösen Zeremonien. Mit ihnen reinigte man die Luft und besänftigte die Götter. Im antiken Griechenland und im alten Rom spielten Parfums und Räucherwaren ebenfalls eine wichtige Rolle bei Zeremonien. Die Entdeckung der Destillation erfolgte im heutigen Iran.

Hier entschlüsselte der Physiker Avicenna die Chemie hinter Parfums, die nicht auf Öl basieren. Im Mittelalter und in der Renaissance erweiterte sich die Verwendung von ätherischen Ölen.

Der Begriff Aromatherapie hingegen stammt erst aus dem frühen 20. Jahrhundert. Etabliert hat ihn der französische Chemiker René-Maurice Gattefossé. Er entdeckte die lindernden Eigenschaften von Lavendelöl, nachdem er seine verbrannte Haut versehentlich in ein damit gefülltes Gefäß steckte.

Öle wirken antimikrobiell

In Pflanzen selbst dienen die riechenden Substanzen zur Abwehr von Feinden, zum Selbstschutz, als duftende Falle für mögliche Beute oder auch zum Anlocken von Nützlingen, die die Fortpflanzung ermöglichen. Einige der Eigenschaften scheinen auch dem Menschen zugutezukommen.

Denn ätherische Öle wirken etwa antimikrobiell, erklärt der Wiener Lungenfacharzt und Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie und Aromapflege (ÖGwA) Wolfgang Steflitsch im Gespräch mit der “Wiener Zeitung”. “Sie wirken gegen Pilze, Viren, Bakterien und andere Krankheitserreger sowie Parasiten.” Ihre Inhaltsstoffe zeigen unterschiedliche Effekte auf verschiedene Organsysteme – sie hemmen Entzündungen, lindern Schmerzen, fördern die Verdauung oder stärken die Psyche, betont der Experte.

Mittlerweile gebe es zahlreiche wissenschaftliche Studien, “die zeigen, auf welche Art und Weise die Inhaltsstoffe gegen Krankheiten und Beschwerden tatsächlich wirken”.

Einzelne ätherische Öle können bei chronischen Leiden, funktionellen Störungen, aber auch bei akuten Erkrankungen – manchmal alleine, oftmals ergänzend zur Schulmedizin – eingesetzt werden.

Die Wirkung auf Keime untersucht etwa Gerda Dorfinger, Fachärztin für Labordiagnostik und Präsidentin der ÖGwA, mittels einer speziellen mikrobiologischen Testmethode – dem sogenannten Aromatogramm. Krankheitserreger werden dazu mit einzelnen Ölen benetzt, um ihre Reaktion zu messen. “Es zeigen sich sogar Erfolge in der Behandlung von multiresistenten  Keimen”, so Dorfinger. Besonders bei der Besiedelung von Hautbereichen können die Öle, oberflächlich aufgetragen, ihre Wirkung entfalten.

Häufig kommen die Pflanzenstoffe auch in Kombination mit einer Antibiotikatherapie zum Einsatz und können wiederum deren Wirkung verstärken, betont Steflitsch.

Basis-, Herz- und Kopfnote                                                                                                                      

                                                                                                                                  

Die aromatischen Substanzen werden aus verschiedensten Blüten, Früchten, Nadelhölzern und anderen Pflanzenteilen durch Wasserdampfdestillation gewonnen. Setzt sich der Dampf am Ende des Herstellungsprozesses wieder ab, bildet sich ein Hydrolat (Pflanzenwasser), auf dem das Öl schwimmt, erklärt die Aromapraktikerin Alexandra Breuss. Im Öl sind alle Inhaltsstoffe der Pflanze in hoch konzentrierter Form enthalten. Doch auch das Hydrolat – quasi das Nebenprodukt der Destillation -, das die wasserlöslichen Bestandteile der Pflanzen vereint, kommt in der Aromatherapie zum Einsatz.

In der Praxis werden einzelne ätherische Öle häufig miteinander kombiniert, um Körper, Geist und Seele Gutes zu tun. Eingeteilt werden sie in die Basisnote, Herznote und Kopfnote, skizziert die Expertin. Die Kopfnote ist entscheidend dafür, ob man einen Duft mag oder nicht. Er ist sofort riechbar, verflüchtigt sich allerdings sehr schnell. Zitone, Orange, Minze, Bergamotte oder Grapefruit sind typische Kopfnoten. Die Herznote wiederum ist lang anhaltend und bildet den eigentlichen Geruch des Öles. Sie steht – wie der Name schon zum Ausdruck bringt – in besonders enger Beziehung mit den Gefühlen. Zu dieser Gruppe zählen zum Beispiel Rosengeranie, Neroli, Lavendel, Kamille oder Eukalyptus. Die Basisnote vergeht als letzte der Duftbestandteile. Sie ist für gewöhnlich besonders intensiv und wird häufig als herb, spritzig oder moschusartig wahrgenommen. Verschiedene Hölzer und Vanille fallen zum Beispiel in diese Kategorie.

“Im Gespräch äußern die Klienten oft, welche Wehwehchen sie drückt. Ob sie Schlafprobleme haben, seelische Beschwerden oder sie den Kopf nicht mehr frei bekommen”, beschreibt Breuss ihren Alltag in der Praxis. Schon währenddessen versucht sie einzusortieren, welche Öle der Symptomatik entsprechen und dem Betroffenen helfen könnten. Vor dem Mischen ist auch die Art der Anwendung von Bedeutung. Zur Raumbeduftung werden die Extrakte pur vermengt. Für die Körperanwendung werden die Riechöle in sogenannte fette Öle – etwa Jojoba-, Mandel- oder Olivenöl – gemischt. Inhalationen, Massagen, Bäder oder auch Zäpfchen sind weitere Einsatzmöglichkeiten der Aromatherapie.

aromarin 3mal PflegeöleDie Bestandteile selbst werden etwa über die Haut und Schleimhäute aufgenommen und lösen Duftimpulse am Riechnerv aus.
Nach einer erfolgten Einreibung können die Inhaltsstoffe bereits nach 20 Minuten und bis zu drei Stunden lang im Blut nachgewiesen werden, erklärt Steflitsch. “Wenn ein Organsystem speziell behandelt werden soll, wird man die Anwendung so wählen,
dass der Ort, wo die ätherischen Öle aufgenommen werden sollen, möglichst nahe dem betreffenden Organ ist.”
Will man die Stoffwechselaktivität, also die Leber, beeinflussen, werden vom Mediziner etwa Leberdunstwickel empfohlen
und keine Inhalationen. Die Inhaltsstoffe der Extrakte seien auch so klein, dass sie die Blut-Hirn-Schranke überwinden.
Das ist jene Schranke zwischen Hirnsubstanz und Blutstrom, die den Stoffaustausch im Zentralnervensystem kontrolliert.
Stoffe, die nicht dorthin gelangen sollen, werden üblicherweise am Durchtritt gehindert. Nicht immer erfolgreich.

Bei der Aromatherapie hat das einen “zusätzlichen, nützlichen Effekt”, so Steflitsch. Mittels funktioneller Magnetresonanztomographie lässt sich feststellen, welches Öl welche Bereiche vom Gehirn aktiviert oder auch beruhigt. Aus der Grundlagenforschung sei bekannt, auf welche Neurotransmitter die Inhaltsstoffe Einfluss haben und damit etwa weniger Schmerzbotenstoffe oder mehr entzündungshemmende Stoffe gebildet werden. Die Dosierung und Art der Anwendung sollte mit Experten abgeklärt, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden.

Mittlerweile kommt die Aromatherapie in vielen Bereichen der Gesundheitspflege aber auch der Medizin zum Einsatz. Heilmasseure, Physiotherapeuten, Aromapraktiker, Hebammen, aber auch Ärzte wenden die Öle an, um für Wohlfühlen, Gesunderhaltung und die Bekämpfung von Krankheit zu sorgen. Medizin muss also nicht immer bitter sein, sie kann durchaus auch gut riechen.
Quelle: https://www.wienerzeitung.at/themen_channel/wissen/mensch/992188_Dufte.html?em_cnt_page=2

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